Ein Mops kam in die Küche

So, nun kannte ich endlich das Meer und habe sogar schon durch einige Großstädte spazieren dürfen. Aber eins hatte ich bisher immer noch nicht gesehen – hohe Berge und Gletscher! Deshalb freute ich mich wie ein Schnitzel (keine Ahnung, warum die Zweibeiner sowas sagen – ich freue mich eigentlich nur ÜBER ein Schnitzel. Aber egal…) als ich mitbekommen hatte, dass der nächste Urlaub u.a. in der Schweiz verbracht werden sollte. 
Allerdings war das nur eine von mehreren „Stationen“. 

„Dann fahren wir weiter Richtung Lago Maggiore und nehmen uns dort in der Gegend noch ein nettes Hotel. Da können wir noch ein paar Tage entspannen und vielleicht sogar baden gehen“, sagte mein Herrchen. Moment – die wollen schon wieder ans WASSER? Bitte nicht! Dabei habe ich mich doch schon so auf Berge und Schluchten gefreut. Den ganzen Tag rumliegen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen ist doch öde. Was finden diese Menschen nur daran?

Es musste natürlich erstmal wieder eine tierfreundliche Unterkunft gefunden werden, was ein bisschen dauerte. Aber immerhin wollten wir dieses Mal das Auto nehmen, sodass ich mir wenigstens dieser blöde Maulkorb erspart blieb. Was nun das kleinere Übel ist, weiß ich nicht. Die Fahrt auf der Autobahn finde ich ja noch ganz in Ordnung, aber Landstraße ist überhaupt nicht mein Ding. Ständig wird angehalten, manchmal hoppelt man über den Asphalt und dann diese ständigen Kurven. Um es auf die Spitze zu treiben, wird man dann auch noch von anderen Hunden von der Straße aus provokant angestarrt, wenn man z.B. an der Ampel steht. Die lachen sich doch über mich kaputt, wie ich so in meinem Glaskasten hocke. Aber egal, Hauptsache Urlaub!

Los ging’s am frühen Morgen. Der erste Halt sollte in der Schweiz sein, anschließend wollten wir nach Italien fahren und auf dem Rückweg nochmal einen Stopp in einem anderen Teil der Schweiz einlegen. Ich war auf jeden Fall mega gespannt.
Die erste Etappe war vollkommen stressfrei und am späten Nachmittag erreichten wir bereits unser Ziel. Das war toll sag ich euch! Ich war begeistert. Wir übernachteten nämlich in einem alten Bauernhaus, mit einer Holztreppe und einem kleinen Garten. Unser Zimmer war riesig und die Vermieter hatten wohl selbst einige Tiere, die täglich vorbeischauen würden. Auf der Wiese gegenüber standen ein paar nette Schafe und beobachten uns. Hier bin ich der Herr im Haus, WAU! Ich schlief glücklich und beseelt ein und freute mich auf den nächsten Tag. 
Als ich mit meinem Herrchen am Morgen zur ersten Gassirunde aufbrechen wollte und hoch motiviert sowie freudestrahlend aus der Haustür hüpfte, blieb mir beinahe der Knochen vom Vortag im Hals stecken. Entsetzt starrte ich auf einen kleinen Chihuahua, der vor dem Haus herumtollte. Nicht schon wieder so ein frecher Zwerg! Dem musste ich mal zeigen, wer hier der aktuelle Hund im Haus ist und knurrte ihn an. So eine Fußhupe verspeise ich doch zum Frühstück! Der Kleine riss die Glubschäuglein auf und war sichtlich eingeschüchtert, als plötzlich wie aus dem Nichts ein Mops um die Ecke geschossen kam, knurrte und sich schützend vor das Hündchen warf. Der schaute ganz schön finster aus der Wäsche. 
Ein weiterer Mops lugte auch noch um die Ecke und wurde Zeuge meiner Demütigung. 
Ich erfuhr, dass alle drei Hunde unseren Vermietern gehörten. 
Na herzlichen Glückwunsch! Ich hatte auf andere tierische Mitbewohner gehofft, es kann immerhin nur einen Haus- und Hofhund geben.

Immerhin gab es noch einen alten Kater, der ebenfalls in unserer Unterkunft residierte. Naja, das ist in Bezug auf Katzen vermutlich noch untertrieben. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt auch seit einigen Wochen so ein Exemplar zu Hause und der benimmt sich inzwischen, als wäre er der King. Dabei sind dem kleinen Panther gerade erst die Milchzähnchen gewachsen. Der bekommt alles hinten und vorne reingestopft, aber macht nicht mal vor meinem Futternapf Halt. Trotzdem sind mir Mietzen insgesamt lieber als andere Hunde. Mit denen bin ich in Rumänien ganz gut ausgekommen, frei nach dem Motto: „leben und leben lassen“. 
Meine Niederlage sorgte auf jeden Fall für Erheiterung. Als wir zurückkamen und mein Frauchen gerade aufgestanden war, wurde der Vorfall natürlich gleich breitgetreten.
„Mike hätte beinahe den Chihuahua von unseren Vermietern gefrühstückt!“, erzählte Thomas und berichtete amüsiert was passiert war. Die beiden Zweibeiner lachten sich schief. Haha, verjagt von einem Mops, wie peinlich.
Zum Glück verliefen die anderen Tage ohne erwähnenswerte Vorkommnisse. Den Möpsen begegnete ich ab und zu im Hof, der Zwerg ließ sich allerdings nicht mehr blicken und versteckte sich meistens unter der Bank oder hinter irgendwelchen Steinen und Mauern. Als meine Zweibeiner einen ganzen Nachmittag in einem sogenannten „Mittelerde-Museum“ verbrachten (bestimmt wieder was ganz Verrücktes), döste ich im Zimmer vor mich hin und genoss die Ruhe. Ich dufte da nämlich nicht mit rein. Egal, ist eh nichts für mich.
An unserem letzten Morgen vor der Weiterreise saßen wir alle gemütlich beim Frühstück in der Gemeinschaftsküche. Ich musste dieses Mal gleich mit runter und den Menschen beim Mampfen zuschauen, da wir unser Zimmer schon geräumt hatten. Der alte Kater saß wie immer auf dem Kühlschrank und schaute entspannt, aber gelangweilt in der Gegend herum. In diesem Moment ging die Tür auf und die beiden dicken Möpse watschelten herein. Ha, das war meine Chance auf Rache! 

Ich positionierte mich so vor der Küchentür, dass sie nicht vorbeikamen. Einer der beiden schaute fragend und wirkte ein bisschen bedröppelt. Ich begann zu knurren und versperrte weiter beharrlich den Weg. Der Kater wurde plötzlich aus seiner Lethargie gerissen und starrte zu uns rüber. Er bewegte immer mal wieder den Kopf und beobachtete das Ganze von seiner erhöhten Position aus. Die Möpse wussten scheinbar auch nicht, wie sie jetzt weitermachen sollten, gaben aber nicht auf. Immerhin war es ihr Haus und ihre Küche. Ich knurrte nochmal ein bisschen lauter, um deutlich zu machen, wer hier der Boss ist und dass ich den Vorfall mit dem Chihuahua nicht vergessen hatte. Ein paar Sekunden später merkte ich, dass der Kater vom Kühlschrank heruntergesprungen war und zielstrebig auf mich zu marschierte. Er hob die Vorderpfoten und haute mir voll eins auf die Nase. Au, das hat gesessen! Sofort zog ich den Schwanz ein und verkrümelte mich unter den Tisch, nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte. Die Möpse stolzierten hintereinander in die Küche, hoch erhobenen Hauptes. 
Verprügelt von einer Katze! Herrje, ist das unangenehm. 
Zum Glück hat das Mister Miyagi nicht mitbekommen, das hätte meine Autorität zu Hause sonst noch mehr untergraben. Obwohl der den Kater vielleicht hätte besänftigen können.

Aber nein, der hat sich einen Lenz in der Katzenpension gemacht. 

Hinterher durfte ich mir Sachen anhören wie: „Tja Mike, selbst schuld. Du bist hier immerhin nur zu Gast und musst dich auch so benehmen.“
„Unmöglich bist du! Die Möpse wohnen hier und du musst wieder Stunk machen. Die gehören eben zur Familie des Katers und deshalb musste er sie nun mal verteidigen.“ 

Pah, also wenn die Hilfe von einem 15 Jahre alten Kater brauchen und sich nicht selbst wehren können, weiß ich auch nicht. Das ist doch fast genauso peinlich.

Ich jedenfalls war froh, dass wir endlich weiterfahren konnten. Auch wenn es wieder Richtung Wasser ging. So richtig hohe Berge hatte ich noch immer nicht gesehen, wir waren scheinbar im falschen Teil der Schweiz. Leider hatte ich mich ein bisschen verschätzt, denn die Fahrtstrecke war unheimlich kurvig und bergig. Ich merkte, wie es in meinem Magen gluckerte. „Ohje, hast du das gehört?“, fragte mein Herrchen beunruhigt. „Ich glaube, der Maik verträgt die Serpentinen nicht.“ 
Serpentinen? Ich dachte, zum Frühstück gab’s Huhn. 
Was auch immer das sein sollte, es wurde jedenfalls unerträglich. Endlich hielt der Wagen an und ich wurde rausgelassen, damit ich mich erleichtern konnte. 
Hoffentlich bekommt mir Italien besser. Der erste Stopp ging ja wohl voll in die Hose.